Fragen zum Bereich
alternde Gesellschaft: Sind wir gewappnet?
Der
Anteil der Bevölkerung im Alter von 60 Jahren und älter an der
Gesamtbevölkerung in NRW wird von 24, 3 % im Jahre 2002 auf 28,2 % im Jahre
2020 zunehmen. Die Zahl dieser Bevölkerungsgruppe wird um rund 700.000 von ca.
4,3 Mio. auf dann ca. 5,0 Mio. steigen. Allein die Zahl der Hochbetagten in
NRW, die älter als 80 Jahre und noch älter sind, wird von jetzt 3,9 % auf 6,9 %
steigen.
Im
Jahre 2030 wird ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland älter als 60 Jahre
sein.
Das
Lebensalter der heute geborenen Mädchen wird im Durchschnitt 82 und das der
Jungen 75 Jahre sein.
Man
prognostiziert, dass die Alleinlebenden zunehmen werden. Die Zahl der alten MigrantInnen werden auf 6,5 %
anwachsen.
- Mit welchen Zahlen rechnen Sie hier
in Mülheim?
Die
jungen Alten (60 - 75 Jahre) leben nicht mehr nach dem traditionellen
Lebensmuster. Sie leben sehr unterschiedlich und so wollen sie auch alt werden.
In
wieweit trägt die jetzige Altenpolitik dem Wunsch nach Selbstständigkeit und
Individualität zum Beispiel bei einer nötigen Pflege Rechnung, zumal sie
selbstbewusster sein werden?
- Wie wird die bedarfsgerechte
Infrastruktur von Pflegeangeboten aussehen?
Bei
Hilfs- und Pflegebedürftigkeit soll ein Höchstmaß an Eigenständigkeit und
persönlicher Würde bewahrt werden, deshalb soll die Stadt mithelfen, dass die
großen Heime im Laufe der Zeit ersetzt werden durch viele zu schaffende Alten-
und Behinderten gerechte Wohnungen, in nachbarschaftlich oder gemeinschaftlich
organisierten Wohnformen oder Pflege- Wohnformen, z. B. Wohngemeinschaften.
Demenzkranke
brauchen persönliche Pflege und spezielle Zuwendung, deshalb sollten sie in
Kleingruppen leben mit einer Bezugsperson.
-
Wäre ein Ansatz dazu nicht der Umbau in Gruppenwohnungen im Bestand, die an
erkranket Personen, bzw. an deren Angehörige / Betreuer untervermietet werden?
-
Wird der betreuende ambulante Dienst speziell geschult?
-
Welche Beratungsstellen gibt es für Alte in den Stadtteilen?
-
Wie wird das alles koordiniert und vernetzt?
-
Wie viele barrierefreie Wohnungen gibt es in Mülheim?
-
Werden Formen der Pflege gefördert, die Wohnen in vertrauter Umgebung im familiären
Bereich sicherstellen?
- Was wird für arme Rentner, die unter
600 Euro im Monat haben?
Menschen
mit geringem Einkommen haben nicht die Möglichkeit, als Selbstzahler
Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, deshalb kommt diese Gruppe eher ins
Heim.
Zum
Teil droht Verwahrlosung.
- Was passiert, wenn Alte die10 Euro
Praxisgebühr, ihren Hustensaft oder ihre Bluthochdruck-Medikamente nicht
bezahlen können?
Die
jetzige Pflege ist dringend reformbedürftig, die menschliche Zuwendung kommt zu
kurz: Mit der Einführung der Pflegeversicherung wurde auch eine sehr
umfangreiche und komplizierte
Leistungserfassung eingeführt. Die Pflegekräfte brauchen einen Großteil
ihrer Arbeitszeit für eine sehr detaillierte Erfassung von vielen kleinen
Einzelleistungen. Die Zeit für die eigentliche Pflege wird dadurch kürzer. Dazu
kommt, dass das Pflegepersonal durch Vergütungsrichtlinien in seiner
Flexibilität eingeschränkt wird. Kurzfristiges Umdisponieren (z. B. beim
Baden), weil der Patient heute „nicht gut drauf ist“, ist kaum möglich. Früher
wurden die Leistungen über Zeitaufwand erfasst. Das erforderte wesentlich weniger
Schreibarbeit und gestattet dem Personal besser, auf die Tagesform des
Patienten einzugehen.
-
Was kann da geändert werden?
-
Gibt es in Zukunft genügend gut ausgebildete Pflege-Fachkräfte?
-
Kann man die Zeit für menschliche Zuwendung gesetzlich verankern?
- Wie viele Ehrenamtler werden dort eingesetzt? Haben sie die
Möglichkeit der Weiterbildung?
-
Gibt es eine gezielte Kooperation mit Migranten-Organisationen und Beratungsstellen, um den
wachsenden Bedarf für die Pflege von Migranten zu sichern. In Zukunft werden
durch veränderte Familienstrukturen mehr ins Heim müssen.
15
% der 80 - 84-Jährigen leiden unter Demenz und 40% der 90-Jährigen. Die Zahl
wird steigen.
- Was wird geplant?
Die
Kommunen setzen in ihrer Seniorenpolitik und Gestaltung sozialer Dienste noch
zu wenig auf die Kompetenzen und Ressourcen der älteren Generation. Ältere
erwarten nicht, dass ständig etwas für sie getan wird. Sie können und wollen
gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben und ihre Bedürfnisse und
Anliegen einbringen können. Sie sind jedoch zu selten als Bürger, auch in der Übernahme
gesellschaftlich bedeutender Verantwortungsrollen gefragt. Die einseitige
Betonung auf die Pflege hat in den letzten Jahren in den meisten Kommunen dazu
geführt, dass der Ausbau der präventiven Seniorenarbeit sowie die Einbeziehung
der Senioren und Seniorinnen in die Gestaltung des Gemeinwesens vernachlässigt
worden sind, z. B. bei der altengrechten Stadt. (Peter Fettweis,
Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW)
Ein
vorbildliches Beispiel ist die Stadt Arnsberg.
- Was tut Mülheim?
Die
Altersfragen werden eine Herausforderung für die Kommunen werden. Deshalb ist
es notwendig, dass in allen Bereichen zusammengearbeitet wird.
-
Gibt es eine Form der Zusammenarbeit?