“2030 - Aufstand der Alten“ - Dieses Schrecken-Szenario wird nicht kommen

 

Nicht wenige Zuschauer und vor allem Senioren, die den Film „2030-Aufstand der Alten“ sahen, waren geschockt und konnten sich vorstellen, dass das in Zukunft Wirklichkeit werden könnte. In dem Film geht es u. a. um verarmte Alte, die in Apotheken einbrechen, weil die Krankenkasse ihnen die lebensnotwendigen Medikamente vorenthält, oder weil sie aus Armut obdachlos werden. Die Selbstmordrate ist hoch.

 

Wenn der Film bewirkt, dass wegen des demografischen Wandels ein schnelleres Handeln in der Politik mit der notwendigen Reformierung der sozialen Sicherungssysteme, das lebenslange Lernen und die berufliche Weiterbildung wie auch eine gerechte Arbeitspolitik auch für Ältere Ernst gemacht wird, hat er viel erreicht. Es gab schon seit langer Zeit viele Autoren, zu dem Thema, aber offensichtlich Bedarf es eines solchen Horrorfilms, um die Menschen aufzuschrecken. Ich hoffe, dass die Politik endlich reagiert, und der Film nicht nur kurzfristig geschockt hat. Die Menschen müssen sich fragen: Wen betrifft denn die Auswirkung des demografischen Wandels in dieser Form? Wohl nicht mehr in der Form die jetzigen Alten.

Aber dieser Film stiftet auch zur Panikmache an. Deshalb muss schnellstens politisch dagegen gesteuert werden.

 

Wir, „Die Grünen Alten“, sehen auch die großen Aufgaben bedingt durch die demografische Entwicklung, aber ebenfalls die gesellschaftliche und wirtschaftliche Chance, gemeinsam mit den Jungen eine Zukunft zu gestalten, in der es nicht zu dem im Film gezeigten Szenario kommt.

Der Anteil der Menschen im höheren Alter steigt und der Anteil der Jüngeren ist rückläufig, deshalb werden es auch die Älteren sein, die maßgeblich die Zukunftsaufgaben mitschultern müssen. Dem erwartbaren Fachkräftemangel kann nur mit den vorhandenen fachlichen Kompetenzen Älterer entgegengesteuert werden.

Viele Alte sind noch fit und nach der Verrentung und Pensionierung gibt es viele Möglichkeiten, das vorhandene Potential sinnvoll für die Gemeinschaft freiwillig und unentgeltlich einzusetzen, wobei bezahlte Jobs keineswegs durch sie ersetzt werden dürfen.

 

Es gibt schon einige Modellstädte, die den Paradigmenwandel des Altenbildes - weg vom Defizitmodell des Konsumierens, hin zum Potenzialmodell des Mitgestaltens - geschafft haben und die den Bürgerinnen und Bürgern in der Zweiten Lebenshälfte eine aktive Mitwirkung am städtischen Leben und Gestalten zutrauen, denn sie haben erkannt, welchen Wert ihr Rat, ihr Wissen und ihre Kompetenz für eine Gesellschaft, auch wirtschaftlich hat.

 

Es gibt viele Menschen in allen Generationen, die dringend diese Kompetenzen brauchen, sei es im Kindergarten, in der Schule, in Vereinen oder in der Arbeit mit Alten selbst.

Die Generation 50+ ist mit ihren Potentialen ein Schatz, der zwar von einigen Kommunen und Arbeitgebern schon entdeckt wurde, aber ein großer Teil muss ihn noch entdecken und heben, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

 

Ute Schmitz, Januar 2007