ENGS – European Network of Green Seniors
„Happy Ageing – Another Ageing Is Possible“
Dieses Papier ist der erste Teil unseres „multi–annual projects – Another Ageing Is Possible“ (Ein anderes Altern ist möglich). Wir orientieren uns an den Happy Ageing Indikatoren, die uns zeigen, ob die Länder auf der richtigen Spur oder auf einem falschen Weg sind. Wir orientieren uns dabei an der Grünen Altenpolitik.
Ein zweiter Teil unseres „White Paper“ entsteht in der Zusammenarbeit mit den Ländern unserer Mitglieder. Wir sammeln und präsentieren darin bewährte praktisch gut umsetzbare Modelle, von denen andere Ländern möglicherweise lernen können.
Der dritte Teil wird aus unseren politischen Empfehlungen bestehen, die wir auf europäischer Ebene schreiben oder von einzelnen Ländern übernehmen.
Basierend auf dem „10–Happy–Ageing–Indikatoren–Kompass“ (für gesunde Lebenserwartung, Armut, Selbstmord und politische Aspekte) können wir wie im Folgenden erläutert das Papier schließen.
Was wir wissen - Was wir wollen:
Wir werden für die finanzielle Belastung der Steuern und des Haushalts verantwortlich gemacht. Wir werden nur als wachsende Zahl wahrgenommen. Wir müssen diese Herausforderung annehmen. Altern ist ein biologischer Prozess. Das Reden über Haushaltsbelastungen ist das Sprechen gegen das Leben! Es ist diese Diskriminierung aufgrund des Alters, die unsere Regierungen Millionen Euro kosten. Es ist nicht das Altern, das kostet, aber wie wir altern. Und wie wir altern, ist nicht nur durch die Biologie bestimmt. Es ist eine politische Frage.
Denn wie wir altern wird dadurch bestimmt, ob wir uns wertgeschätzt fühlen oder ob wir Depressionen erliegen, ob wir gesund oder ungesund essen, ob wir Zugang zu präventiver und heilsamer Gesundheitsversorgung haben, ob wir ein ausreichendes oder ein nicht ausreichendes Einkommen haben und ob wir mit Würde behandelt werden und volle Bürgerrechte genießen oder ob wir als Bürger zweiter Klasse herabgesetzt werden. Schlechtes Altern ist eine wirtschaftliche, soziale und zutiefst politische Frage. Um glücklich zu sein – sich wertvoll zu fühlen, zufrieden und neugierig zu sein, sozial und wirtschaftlich abgesichert und relativ gesund zu sein – müssen wir all diese schlimmen Dinge ändern. Aber haben wir eine Stimme dafür? Gibt es Institutionen für unsere Mitwirkung und unseren Einfluss?
Aus unserer Analyse können wir ersehen, dass das, was zählt, nicht die Länge der zu erwartenden Lebensdauer ist. Was für uns vielmehr zählt und auch für das soziale Budget, ist, wie gesund diese Jahre sind. Wenn wir die Statistik der gesunden Jahre nach dem 65. Lebensjahr betrachten, bemerken wir große Unterschiede zwischen den Ländern. Sie variieren von 6,2 Jahren bei Männern in Finnland und 10,5 Jahren in Schweden und auf Malta. Bei Frauen gibt es den Unterschied von 5,9 Jahren in Deutschland zu 11,1 in Großbritannien und auf Malta. Am besten schneiden in Europa diejenigen ab, die nicht in unserer Statistik aufgeführt sind. In Dänemark können Frauen erwarten, 14,1 Jahre nach dem 65. Lebensjahr gesund zu sein und Männer 13,1 Jahre.
Männer, die normalerweise eine kürzere Lebensdauer haben, haben auch eine kürzere Lebenserwartung trotz guter Gesundheit. Eine gute Nachricht ist, dass ihre Situation sich verbessert. Frauen, die in der Regel länger leben, bleiben auch länger gesund als Männer. Die Ausnahme bilden Österreich, Deutschland, Luxemburg und Spanien. Aber die Situation verschlechtert sich in vielen Ländern und die gesunden Jahre vieler Frauen verschlechtern sich z. B. in den Niederlanden (statistisch um drei Jahre), in Irland (2) und in Finnland (1,2). Dies sollte den Regierungen ein politisches Signal senden!
Es ist wichtig zu wissen, was wir richtig und was wir falsch machen.
Die Niederlande und Schweden, die in der Statistik am besten abschneiden, haben auch die höchsten Budget-Beiträge zur langfristigen Betreuung und Pflege im Alter. So auch Dänemark, das in dem Bereich die höchsten öffentlichen Ausgaben tätigt. Dies ist wahrscheinlich eine der Ursachen für die gute gesunde Lebenserwartung. Aber eine Budget-Erhöhung ist wichtig (oder in Kombination mit anderen Faktoren) für ein längeres gesundes Leben.
Wir wissen auch aus anderen Studien, dass die soziale Klasse bestimmend ist für die Unterschiede zwischen arm und reich und für weniger gebildete und besser gebildete Menschen und die Unterschiede größer sind als nur geschlechts-spezifische Unterschiede. Ich hatte keinen Zugang zu solchen vergleichbaren Zahlen, aber ich habe vergleichbare Statistiken über Armut gesammelt.
In Europa galten im Jahr 2008 19 % der älteren Bevölkerung als arm. Frauen sind am meisten armutsgefährdet. Im Jahr 2006 war die Armut bei Frauen über 65 Jahren in Irland (45 %), Spanien (32 %) und Großbritannien (27 %) besonders hoch. Besonders niedrig war die Quote in den Niederlanden, Luxemburg und Tschechien (jeweils 6 %). Doch nach dem 75. Lebensjahr verschlechtert sich die Situation. Der drastischte Anstieg war in Irland (63 %) und im Vereinigten Königreich Großbritannien (36 %). Als gute Nachricht gilt, dass sich im Jahr 2008 die Armut der Altersgruppe 75 + sowohl für Männer als auch für Frauen verringerte, außer in Finnland und den Niederlanden, wo die Frauen-Armut weiter ansteigt. Die Verringerung kann mit einigen Verbesserungen in den Rentensystemen erklärt werden. Aber wegen der wirtschaftlichen Krise könnten Renten verringert werden und die Armutszahlen steigen. Die Lehre daraus ist, dass wir nachhaltige Rentensysteme brauchen, die nicht die über 75-Jährigen in die Armutsfalle treiben.
Armut trifft mehr Frauen, aber mehr Männer werden von Selbstmorden heimgesucht. Die Selbstmord- Situation der älteren Menschen ist kein bekanntes Thema. Nach den EU-Statistiken vom Jahr 2005 begingen 33 % der über 65-Jährigen Selbstmord. Das ist drei Mal höher als die Selbstmord-Rate bei Männern zwischen 15 und 24 Jahren. Das Selbstmord-Risiko für Männer ist 3,3 Mal höher als das der Frauen. Besonders Menschen über 75 Jahren haben ein hohes Risiko Selbstmord zu begehen.
Es ist somit mehr ein Problem für Leute über 75 Jahre. Obwohl wir alle Alters-Risiken im Auge haben müssen, ist ein besonderes Augenmerk auf diese Altersgruppe zu werfen.
Leider ist diese Altersgruppe auch unzureichend in Entscheidungsprozessen vertreten. Das ist ersichtlich aus den Altersstrukturen in den Parlamenten der europäischen Länder. Die Altersgruppe der über 70-Jährigen ist mit keinem oder bestenfalls mit ein bis zwei Mitgliedern in den Parlamenten vertreten. Wir haben auch keine politischen Institutionen, die ältere Menschen vertreten und ihnen eine Stimme verleihen. Unsere Anerkennung muss von der nationalen Verfassung kommen, in der ausdrücklich die vollen staatsbürgerlichen Rechte der älteren Menschen verankert sind.
Wir brauchen Menschen aller Altersgruppen, die Teilhabe an sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen haben. Anstatt ältere Menschen als eine Art marginale (unwesentliche) Menschen zu sehen, sollten wir sie in der Mitte des Lebens sehen. Dazu muss Druck auch aus dem Volk kommen. Aus diesem Grund müssen wir ältere Menschen teilhaben lassen und in die Lage versetzen, dass sie ihre Einstellungen ändern, die sie aus der altersunfreundlichen Gesellschaft übernommen haben. Unseren altersfeindlichen Gesellschaften fehlen Konzepte und Vorbilder für positives Alterns, geschweige denn glückliches Altern.
Wir können nicht von jüngeren Generationen vertreten werden, die nichts über unsere Lebens-Bühne mit ihren Problemen und ihrem Glück wissen.
Ich möchte hier das gleiche Prinzip der politischen Partizipation anwenden, das der geistige Führer „Kalle Könkkölä“ über die Beteiligung behinderter Menschen sagt. Da heißt es: "Nichts über uns, ohne uns!"
So können wir nicht Objekte des Sozialstaats werden, noch können unsere Interessen nur durch die Wohlfahrtsverbände und das Pflegepersonal wahrgenommen werden. Wir müssen aktiv sein, haben unsere eigenen Leitpersonen und sind auch in politischen Entscheidungsprozessen gut vertreten. Wenn es um Bürgerrechte und eine demokratische Stimme geht, gibt es kein "Rentenalter"! Gesellschaft und Politik gehören allen. Die Zukunft gehört nicht nur den Jungen, sondern uns allen, denn in der Gesellschaft von morgen wird es immer Kinder, Jugendliche, Erwachsene, das mittlere Alter und ältere Menschen geben.
Wenn wir die Senioren aktivieren und teilhaben lassen, erwecken wir in ihnen auch politische Akteure für alle Senioren. Wir haben Erfahrungen und neue Ideen. Wir werden uns auch an politischen Agenden mit anderen Altersgruppen beteiligen. Gemeinsam mit allen Grünen wollen wir die gegenwärtigen unsicheren wirtschaftlichen Modelle verändern, die Probleme schaffen. Nicht nachhaltige Konsummodelle wachsen und behandeln die Natur und den Menschen mit Verachtung. Unsere Verbrauchskultur ist schnelllebig, verbraucht sich rapide und rangiert Dinge aus. Diese Haltung wird auch auf Menschen übertragen. Man will zu oft die Menschen nach einem bestimmten Alter oder mit einer Behinderung ausrangieren.
Autorin des englischen Originals: Anita Kelles - Finnland
Deutsche Übersetzung: Ute Schmitz