Die Grünen Alten wollen die Hospizbewegung stärken

 

Die Realität sieht noch traurig aus.

 

Schon länger fordern wir mehr Unterstützung für Hospize verbunden mit Palliativmedizin und – pflege und setzen uns für humane und würdige Lebensbedingungen in entsprechenden Betreuungs- und Behandlungssituationen ein.  Kein Sterbender wird in der Hospizbetreuung alleine gelassen. Seine Würde bleibt durch ganzheitliche Betreuung mit medizinischer, pflegerischer, seelsorgerischer und psychosozialer Versorgung gemäß seiner Vorstellungen gewahrt.

Wie die Realität leider noch aussieht, zeigt der folgende Artikel. Er steht stellvertretend sicherlich für alle Bundesländer.

 

Nicht aufs Sterben vorbereitet

Studie. Deutsche Hospiz-Stiftung beklagt dramatischen Mangel an palliativer Versorgung. Bedarf zehnmal so hoch.

 

Theo Schumacher

 

Düsseldorf. Wenn es ans Ende geht, würde die ganz große Mehrheit der Deutschen am liebsten zu Hause sterben – kurz und schmerzlos, wie vier von fünf Bürgern angeben. Doch dieser Wunsch geht nur selten in Erfüllung. Nach einer Studie der Deutschen Hospiz-Stiftung verbringen 70 bis 80 Prozent der Menschen hierzulande ihre letzte Stunde in einem Krankenhaus oder Pflegeheim. „Doch oft sind gerade diese Orte nicht auf ein würdevolles Sterben vorbereitet“, kritisiert der geschäftsführende Vorsitzende Eugen Brysch.

Seit die Stiftung erstmals in NRW ihre Klage über den großen Mangel an schmerzlindernder Versorgung in die Öffentlichkeit trug, vollziehe sich die Entwicklung im Schneckentempo. Nur für 4,1 % der 821.000 Verstorbenen im Jahr 2007 fand sich ein Platz auf einer professionellen Palliativstation, wo sich Ärzte und Therapeuten intensiv um die Sterbenden kümmerten. Der tatsächliche Bedarf ist nach Angaben der Stiftung jedoch zehnmal so hoch. „Für die Betroffenen sind diese Ergebnisse eine Katastrophe“, sagt Brysch. Alles weise daraufhin, dass auch künftige Generationen „völlig unterversorgt“ ihr Lebensende verbringen werden.

Nach der Studie wurden in Deutschland 6,2% der Sterbenden hospizlich von ehrenamtlichen Helfern begleitet, die Hälfte davon daheim.

In einem stationären Hospiz mit durchschnittlich neun Plätzen wurden 18 400 Menschen (2,2 %) versorgt. Hier im Hospiz, wo die Stiftung ebenfalls Nachholbedarf sieht, kümmern sich speziell ausgebildete Pflegekräfte um die  Menschen und ihre Beschwerden, die sich weder zu Hause noch in einem Pflegeheim lindern lassen.

Brysch warnt die Politik, bei der Lösung des Problems ausschließlich auf ehrenamtliche Krisenhelfer zu setzen, die in 52 000 Fällen zur Stelle waren. Damit sei der therapeutische Bedarf von 40 % nicht zu decken. In Skandinavien, Irland oder Spanien sei die Versorgung sterbender Menschen deutlich besser. Der anhaltende Mangel begünstige auch die Diskussion um aktive Sterbehilfe. Brysch „Die Würde der Lebenden im Sterben durch Töten zu wahren, ist absurd.“

Nach dem Willen der Hospiz-Stiftung  muss bei einer Novellierung des Pflegegesetzes  die palliative Versorgung stärker verankert werden. Nötig seien außerdem mehr mobile Pflegedienste, um mehr Menschen auf ihrem letzten Weg daheim begleiten zu können. Nachholbedarf sieht die Stiftung auch bei der Ausbildung und Finanzierung zusätzlicher Ärzte für die palliative Versorgung.

 

Quelle: NRZ, 27.02.2008