Grüne Erfolge – Bereich
Verkehr
Bündnis 90/Die Grünen haben mit der Einführung des neuen Nachtnetzes im Juni 2004 einen beachtlichen politischen Erfolg errungen. Dies ist vor dem Hintergrund des ursprünglich von der Verwaltung geplanten Schwachverkehrsnetzes mit Einschränkungen abends und sonntags und anders lautenden Beschlüssen im Planungsausschuss schon erstaunlich.
Wie
ist es zu diesem Erfolg gekommen?
Mit
dem ersten Nahverkehrsplan (Genehmigungsgrundlage für den ÖPNV) vom Mai 1998 wurde
vom Gutachter KVR die Einführung eines sogenannten „Guten-Abend-Netzes“
vorgeschlagen. Der Entwurf sah ein Netz mit den städteübergreifenden Stadtbahn-
und Straßenbahnlinien U 18, 112 und 901 sowie sechs Abendbuslinien im
30-Minuten-Takt (bzw. zwei Ringlinien im 60-Minuten-Takt in beiden Richtungen)
vor. Diese sollten ergänzend zum damaligen Nachtexpress (am Wochenende drei
Ringlinien mit zwei Fahrten und eine Verbindung zwischen RRZ und Innenstadt mit
drei Fahrten) werktags von 21.00 bis 1.00 Uhr und am Wochenende von 19.00 bis
1.00 Uhr gelten.
Dieses
Netz hätte gegenüber dem damaligen Status-Quo in der Bedienungsdichte sogar
leichte Verbesserungen in Heißen und Selbeck gebracht. Verbesserungen im
Nachtverkehr standen allerdings nicht zur Debatte.
Die
finanziellen Auswirkungen wurden damals nicht genau beziffert. Sie dürften
allerdings so gering gewesen sein, dass die Verwaltung Anfang 2002 den Entwurf
für ein sogenanntes „Schwachverkehrsnetz“ (SVZ-Netz) vorlegte. Dieses sollte
Einsparungen in Höhe von 1,2 Mio. Euro jährlich bringen und aus den vier
Stadtbahn- und Straßenbahnlinien U 18, 102, 112 und 901 sowie fünf
SVZ-Buslinien bestehen. Es sollte werktags von 20.00 bis 1.00 Uhr, samstags bis
3.00 und ab 17.00 Uhr und sonntags ganztags (bis 3.00 und von 5.00 bis 1.00
Uhr) gelten und im 30-Minuten-Takt betrieben werden.
Dieses
Netz hätte zwar in den Wochenendnächten eine Verbesserung (30-Minuten- statt
60-Minuten-Takt) gebracht, zugleich aber auch deutliche Verschlechterungen am
Sonntag. So stellten Bündnis 90/Die Grünen in der Diskussion schnell klar, dass
es abends/nachts und sonntags tagsüber ganz unterschiedliche
Verkehrsbedürfnisse gibt, die nicht in einem Netz zusammengefasst werden
können. Wir forderten statt dessen in einem Antrag ein neues Konzept ein, dass
sich in der Schwachverkehrszeit am heutigen Tagesnetz orientiert und im Nachtverkehr
an den beiden anderen MEO-Städten (durchgehender Verkehr am Wochenende im
60-Minuten-Takt). Dabei sollten auch städteübergreifende Verbindungen, die es
bis dato nachts nicht gab, sicher gestellt werden.
Wegen
der deutlichen Kritik unsererseits, aber auch von Pro Bahn und anderen
Fraktionen zog die Verwaltung ihr SVZ-Netz zurück und überarbeitete es.
Im
Herbst 2003 folgte ein neuer Verwaltungsvorschlag. Dieser sah zwei Varianten
vor: Variante 1 beinhaltete die oben genannten vier Schienenstrecken sowie
sechs SVZ-Linien mit sieben Taxibussen. Als Betriebszeiten waren täglich ab
21.00 Uhr, werktags bis 1.00 Uhr und am Wochenende bis 3.00/4.00 Uhr angedacht.
Das Netz sollte im 30-Minuten-Takt betrieben werden und deshalb auch Mehrkosten
von rund 125.000 Euro/Jahr verursachen. Variante 2 umfasste hingegen als
einzige Schienenstrecke die Linie 112 sowie ergänzend dazu fünf SVZ-Linien mit
acht Taxibussen. Dieses Netz sollte alle 60 Minuten bedient werden: täglich um
23.00 und 0.00 Uhr, am Wochenende bis 3.00/4.00 Uhr. Es sollte jährliche
Einsparungen in Höhe von 123.000 Euro erzielt werden.
Obwohl
beide Varianten nur noch für den Nachtverkehr gültig sein sollten und damit die
Schwachverkehrszeiten abends und an Sonntagen außen vor waren, konnten die
Konzepte im Ergebnis doch nicht so recht überzeugen. Die Bedienungszeiten
nachts entsprachen keineswegs dem MEO-Standard und die an den Stadtgrenzen
endenden Buslinien sorgten für Umsteigezeiten von 32 bis 40 Minuten (Essen) und
46 bis 51 Minuten (Duisburg). Trotz der acht Taxibuslinien gab es noch große
Wohngebiete in Heißen und Styrum ohne Angebot.
Während
die anderen Fraktionen sich vor allem über die ihrer Meinung nach viel geringen
Einsparungen ärgerten, aber dennoch bereit waren, der Variante 2 zuzustimmen,
forderten Bündnis 90/Die Grünen entsprechend ihren ursprünglichen Zielen von
2002 in Abstimmung mit Pro Bahn folgende vier Änderungen:
1.
Zusätzliche Taxibusse in Styrum und Heißen-Nord
2.
Verschiebung der Abfahrtszeiten um 30 Minuten mit Anschlüssen und/oder
Verknüpfungen in die Nachbarstädte
3.
Samstags Stundentakt bis 5.30 Uhr und Tagesnetz ab 6.00 Uhr
4.
Sonntags Stundentakt bis 7.30 Uhr und Tagesnetz ab 8.00 Uhr
Beschlossen
wurde dann Ende 2003 nur der Punkt 1. Den Punkt 2 wollte die Verwaltung zumindest
mal prüfen. Die von grüner Seite vorgelegte Übersicht mit den oben genannten
langen Umsteigezeiten zeigte ihre Wirkung. Die Punkte 3 und 4 wurden von der
Verwaltung abgelehnt, weil nach ihrer Berechnung bei einer jährlichen
Mehrleistung von rund 142.500 km zusätzliche Kosten von ca. 60.000 Euro
gegenüber heute entstehen würden.
Nach
Abstimmung zwischen der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) und den Nachbarbetrieben
wurden die Punkte 1 und 2 des grünen Antrages umgesetzt. Gleichzeitig konnte
die Linie NE 4 von der Grenze Borbeck bis Abzweig Aktienstraße (Anschluss an
den Essener NE 11 Richtung Essen und Oberhausen) verlängert werden und eine
andere Linie in Dümpten verlängert und mit dem Oberhausener Linie NE 10 nach
Sterkrade verknüpft werden.
Allein
das war schon ein großer Erfolg für Bündnis 90/Die Grünen und mehr als nach der
Entscheidung der Verwaltungsvorlage Ende 2003 zu erwarten gewesen wäre.
Nach
der Einführung des neuen Nachtnetzes im Juni 2004 folgte Ende des Jahres die
nächste Überraschung: 14 Jahre nach dem Start des Nachtverkehrs fuhr dieser
erstmals an Weihnachten (Heiligabend 18.30 bis 0.30 Uhr) und auch an Silvester
wurde das Angebot entsprechend den anderen beiden MEO-Städten ausgeweitet
(18.30 bis 3.30 Uhr). Auch dies ist eine alte Forderung von Bündnis 90/Die
Grünen!
Im
Juni diesen Jahres folgt Punkt 4 der Grünen Forderungen. Der durchgehende
Verkehr in der Nacht von Samstag auf Sonntag soll zu einer Einsparung von
50.000 Euro führen. Von Mehrkosten ist keine Rede mehr! Als Begründung für
diese Verbesserung wird zurecht auf eine Angleichung im MEO-Raum (Essen fährt
sonntags bis 7.30, OB bis 7.40 Uhr) verwiesen.
Zugleich
wird die Linie NE 9 von Zoo/Uni bis Duisburg Hauptbahnhof Osteingang verlängert
und damit eine weitere Verbesserung im städteübergreifenden Verkehr geschaffen.
Was noch fehlt ist der
Punkt 3. In der Nacht von Freitag auf Samstag ist die Angleichung im MEO-Raum
allerdings schwieriger: In Oberhausen wird bis 5.40 Uhr gefahren, in Essen bis
3.30 Uhr. In Mülheim ist derzeit um 2.30 Uhr die letzte Fahrt. Wenn sich der
Nachtexpress am frühen Sonntagmorgen bewährt wird es aber sicherlich auch dort
eine gemeinsame Lösung geben.
Für die Zukunft bleiben
noch Probleme mit der Linienführung: die Aufhebung der Einrichtungs-Ringlinien
NE 2 (Stadtmitte – Speldorf – Styrum – Stadtmitte) und NE 4 in Holthausen sowie
die bisher fehlende durchgehende Linie zwischen Mülheim und Essen. An konkreten
Vorschlägen dafür mangelt es nicht.
Axel Hercher, 16. Februar 2005