Airbusse am Flughafen Essen-Mülheim?
Für helle Empörung unter den Anwohnerinnen und Anwohnern des Flughafens Essen/Mülheim sorgen derzeit die Pläne des Chefs der Firma WDL, Theodor Wüllenkemper, einen Wartungsbetrieb für große Düsenflugzeuge wie dem Airbus A 320 (ca. 50 t) und der vierstrahligen Maschinen vom Typ BAe-146 (ca. 22 t) einzuführen. Dazu will das Unternehmen am Flughafen eine neue Wartungshalle bauen, in dem die WDL-eigenen Flugzeuge regelmäßig gewartet werden sollen.
Nach Angaben von WDL soll es jährlich 90 Flugbewegungen, also etwa acht im Monat, in Folge des Wartungsbetriebes geben. Die Maschinen sollen sechs bis acht Wochen am Standort verweilen. Damit dieser Betrieb überhaupt genehmigt werden kann, bedarf es einerseits einer Änderung des Bebauungsplanes und andererseits einer luftverkehrsrechtlichen Genehmigung seitens des Landes. Die baurechtlichen Voraussetzungen soll nun der Bebauungsplan für den interkommunalen Gewerbepark Brunshofstraße schaffen, der bis zum 28. August im Rathaus öffentlich ausliegt.
In Mülheim und Essen wird es im Wesentlichen auf die CDU ankommen, ob der Bau der Wartungshalle genehmigt wird. Während in der Essener CDU die kritischen Töne gegenüber einer Ausweitung des Flugbetriebes am Flughafen überwiegen, gilt die CDU in Mülheim als Wackelkandidat. Obwohl der CDU-Kreisvorstand noch im Juli Nein zur großen Düse gesagt hat, hat sich ihr Oberbürgermeisterkandidat Stefan Zowislo inzwischen dafür positioniert.
Ortstermin am Flughafen
Bündnis 90/Die Grünen sind hingegen auf allen politischen Ebenen eindeutig in ihrer klaren Ablehnung eines Wartungsbetriebes für große Düsenflugzeuge. Dies wurde nochmals am 25. August bei einer öffentlichen Begehung des Geländes am Flughafen verdeutlicht. Dieser Einladung folgten insbesondere zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner, denen die Lärmbelastung durch den Flughafen bereits heute mächtig an den Nerven zerrt und die eine massive Einschränkung ihrer Lebensqualität sowie einen Wertverlust ihrer Immobilien befürchten.
Airbus Türöffner für Regionalflughafen
Der planungspolitische Sprecher Hubert Niehoff machte bei dem Ortstermin deutlich, dass er sich durch die Verwaltung im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan für den interkommunalen Gewerbepark Brunshofstraße verschaukelt fühle. So sei den Ratsmitgliedern und der Öffentlichkeit im Jahr 2006 stets vermittelt worden, dass es sich um einen Büropark handele und kein flugaffines Gewerbe dort angesiedelt werden solle. Nun ermöglicht dieser Plan aber genau das Gegenteil, nämlich eine Flugzeugwartungshalle. Bündnis 90/Die Grünen haben deshalb einen Antrag gestellt, im Gewerbegebiet am Flughafen flugaffines Gewerbe auszuschließen.
Auch die Vorsitzende der GRÜNEN Ratsfraktion Essen, Hiltrud Schmutzler-Jäger, äußerte sich bei dem Ortstermin klar gegen die große Düse. Die Essener Grünen verfolgten nach wie vor das langfristige Ziel einer Schließung des Flughafens. Der Sprecher des Netzwerkes gegen Fluglärm, Waldemar Nowak, wies in seinem Wortbeitrag auf die Gefahren einer geänderten Betriebsgenehmigung für den Flughafen hin. Eine rechtliche Zulassung der Starts- und Landungen des A 320 der Firma WDL würde Tür und Tor für weitere Flugbewegungen mit der großen Düse öffnen und damit eine faktische Ausweitung des Flughafens zum Regionalflughafen bedeuten. Jedes andere Unternehmen könnte sich unter Berufung auf die Genehmigung der WDL-Flüge ebenfalls das Recht für Flugbewegungen mit großen Düsenflugzeugen erstreiten.

Original: Helmar Pless, 26. August 2008