Dr. Thomas Rommelspacher, MdL
Gewerbliche Nutzung des Landeplatzes Essen-Mülheim
Grundidee
Die Stadt Mülheim leidet unter einem Mangel an hochwertigen, großen, zusammenhängenden
Gewerbeflächen. Dies ist in Essen nicht prinzipiell der Fall. Doch fehlen auch
hier mit der Realisierung der Projekte Mielesheide und Festwiese / Grugastadion
hochwertige Flächen für Vorhaben im Süden.
In dieser Situation bietet es sich an, den Landeplatz Essen/Mülheim noch einmal
in den Blick zu nehmen. Die defizitäre, vom Umfeld scharf abgelehnte und durch
Entscheidungen des Landes, der Stadt Essen - und bis vor Kurzem auch der Stadt
MH - zum Auslaufen vorgesehene fliegerische Nutzung setzt die herausragenden Potentiale
dieser Fläche nicht angemessen in Wert. Angesichts des geringen Potentials
eines kleinen, im Schatten von Düsseldorf dauerhaft defizitären Landeplatzes,
der zudem die hochwertigen Nutzungen seines Umfelds nachhaltig beeinträchtigt
bleibt eine fliegerische Nutzung stets kontraproduktiv. Ihre Ausweitung
verschärft nur den Konflikt mit dem Umfeld und stellt ihn auf Dauer.
Vor diesem Hintergrund erhält eine Strategie ihren Reiz, die die Potentiale der
Fläche für anspruchsvolle Nutzungen in Wert setzt und den lähmenden Dauerstreit
beendet.
Die Fläche
Die rd. 141 ha große Fläche gehört zu 7o% der Stadt Mülheim und zu 3o% der
Stadt Essen. Die klare Struktur mit zwei Eigentümern erleichtert eine Entwicklung.
Beim Inwertsetzen sind die Rechte zweier Nutzer (WLD Vertrag bis 2oo4,
Aero-Club bis 2o34) zu berücksichtigen. Die Fläche des Aero-Clubs, der Motor-
und Segelflugsport betreibt, liegt am südlichen Rand nahe der A 52. Die
Sportfliegerei beeinträchtigt eine höherwertige Nutzung des überwiegenden Teils
der Fläche nicht. Angesichts der Potentiale der Gesamtfläche ist allerdings,
wie auch Ministerpräsident Clement unlängst anmerkte, auf mittlere Sicht eine
Verlagerung anzustreben.
Die Lage im Raum
Die Fläche ist ausgezeichnet erschlossen. Ihre Lage am südlichen
Ruhrgebietsrand läßt sich kaum besser denken. Über die A 52 ist sie an den Kern
des Ruhrgebiets und den Großraum Düsseldorf mit seinem Flughafen angebunden.
Der Blick auf das direkte Umfeld unterstreicht die Eignung für hochwertige
Nutzungen: Die Fläche liegt inmitten naturnaher Freiräume und grenzt an die Erholungszone
im Ruhrtal. Daneben prägen attraktive Wohnlagen und hochwertige Dienstleistungsarbeitsplätze
(u. a. Hauptverwaltungen Karstadt und IBM-Deutschland, Bürozentrum Mielesheide,
LIS) die Nachbarschaft. Der Baldeneysee und das Ruhrtal stehen für attraktive
Freizeitmöglichkeiten. Die Kultur-, Einkaufs- und Gastronomieangebote des
Essener Südens liegen 4 - 5 km, die Cities von Mülheim und Essen 5 bzw. 9 km entfernt.
Rahmenbedingungen der Nutzung
Wegen der Größe des Geländes können die Nutzungen in einem großzügigen, parkähnlichen
Ambiente plaziert werden. Das betont ihre Wertigkeit und erleichtert es,
ökologischen Anforderungen nachzukommen. Die von der Autobahn gut einsehbare
Lage gibt dem Projekt eine hohe Sichtbarkeit. In Kombination mit attraktiver Architektur
kann hier ein Standort mit klarem Profil und höchstem Potential entstehen.
Das städtebauliche Konzept bezieht die umgebende Landschaft und die Bebauung
ein. Das Bebauungskonzept ist aufgrund der Standortqualität hochwertig. Abriegelnde
Baukörper sind auch aus ökologischen Gründe ausgeschlossen. Um Barrierewirkungen
zu vermeiden sind die Höhen begrenzt (4 Geschosse).
Das Konzept folgt den IBA-Leitgedanken Arbeiten im Park und ökologisches Bauen.
Mit Ressourcen (Boden, Energie, Baustoffen) wird sparsam umgegangen, die Baukörper
sind an Standort und klimatische Funktionen angepaßt, das Ensemble wird
umweltschonend – z. B. in Bezug auf Regenwasser und Bodenschutz – konzipiert.
Die Inanspruchnahme neuer Naturräume außerhalb des Geländes ist ausgeschlossen.
Bestehende räumliche und funktionale Verknüpfungen von Freiräumen dürfen nicht
beeinträchtigt werden.
Nutzungen
Sinnvoll ist eine Mischung von Dienstleistungen (Arbeiten), Wohnen und
(Nah)Versorgung. Es sollte geprüft werden, ob und in welchem Umfang auch Freizeiteinrichtungen
(Sport, Erholung) denkbar sind.
Um Konflikte mit dem Umfeld zu minimieren und im Interesse der langfristigen Vermarktung
und Wertsicherung muß rasch ein Nutzungskonzept mit einem klaren Profil
definiert werden. Es benennt bevorzugte Nutzungen und schließt Nutzer mit
negativen Auswirkungen (Lärm, übermäßiges Verkehrsaufkommen) aus (etwa:
großflächiger Einzelhandel, umweltbelastende Unternehmen, Lager, Speditionen).
Nutzungsprogramm
Eine frühere Studie (AGIPLAN 1993) schlägt eine Gesamtnutzung von 66 ha (brutto)
bei einer GRZ von 0,4 vor. Dies kann ein erster Orientierungswert bleiben. Vorgesehen
waren damals:
Gewerbe rd. 33 ha
Wohnen rd. 20 ha
Sport (und Kultur) rd. 7 ha (stark überdimensioniert)
Nahversorgung rd. 6 ha (stark überdimensioniert)
Dies bedeutet eine Netto-Nutzfläche von rd. 275.ooo m2 und eine
überbaubare Grundfläche von rd. 110.000 m2. Bei einer GFZ von 1,2
für die gewerblichen Nutzungen (max. 4 Geschosse) wären rd. 33o.ooo m2
Bruttogeschoßfläche erzielbar.
Die Wohnnutzung umfasste rd. 20 ha. Die rd. 170.000 m2 Bruttobauland
ergeben bei einer GFZ von 0,4 und einer GRZ von 0,1 eine maximal überbaubare
Grundfläche von 17.000 m2 und rd. 68.000 m2 Bruttogeschossfläche
(rd. 600 WE). Das wären großzügige Wohnungen für die gehobene Mittelschicht.
Andere Varianten sind denkbar.
Weiteres Vorgehen
Die Städte Mülheim und Essen sollten sich rasch über die Sinnhaftigkeit einer
Strategie abstimmen, die auf ein in Wert setzen der Potentiale des Geländes
zielt. Die Zustimmung des Landes NRW kann, wie die Äußerung des Ministerpräsidenten
unterstreicht, aufgrund der Beschlusslage (GEP, Luftverkehrskonzept,
Koalitionsvertrag) erwartet werden.
Die Eigentumsstruktur legt es nahe, eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft zu
gründen, in die Städte Mülheim und Essen entsprechend ihrer Anteile am Grundeigentum
vertreten sein sollten. Auf der Grundlage gemeinsam formulierter Rahmenbedingungen
kann zügig ein Investorenwettbewerb ausgeschrieben werden.
Damit ist es möglich, innerhalb der nächsten zwei Jahre Fakten zu schaffen, die
auch den Bürgern im Umfeld eine sichere Perspektive vermitteln.