Frieden im Nahen Osten durch Klarstellung sichern

Frieden im Nahen Osten: Der scheinbar unentwirrbare Knoten der Verwicklung und Gewalttätigkeit zwischen Israelis und Palästinensern könnte viel schneller gelöst werden als dies heute immer behauptet wird. Voraussetzung ist, dass die internationale Gemeinschaft ein für allemal klar stellt: Ein Israel mit einem Jerusalem als Hauptstadt darf und wird es nicht geben, genauso wenig wie umgekehrt einen Staat Palästina mit einer Hauptstadt Jerusalem. Diese Illusion einer gegenseitigen Beanspruchung international weiter aufrecht zu erhalten bedeutet die Fortsetzung und Verewigung blutiger Auseinandersetzung auf Kosten des Weltfriedens, weil sie für keine Seite akzeptabel ist.
Jerusalem ist die Hauptstadt der drei großen Weltreligionen gleichermaßen und als solche für die Beanspruchung von Staatszwecken einer Seite absolut ungeeignet.. Die Forderung beider Seiten basiert auf religiös motivierter Blut-und-Boden-Ideologie. Gleichgültig ob diese Forderung von Israelis oder Palästinensern erhoben wird, sie ist von ihrer Substanz her mit einem Friedensschluss unvereinbar, weil ihre Erfüllung nur als Niederlage der jeweils anderen Seite empfunden werden kann.
Es ist von daher Pflicht einer ehrlichen internationalen Politik, beiden Seiten dies klar zu machen: Jerusalem ist - wenn Hauptstadt - dann die Hauptstadt einer international anerkannten neutral beaufsichtigten Wasserbehörde für alle im Nahen Osten. Je schneller dies geschieht desto besser für den Weltfrieden. Zu lange ist diese Frage durch die internationale Politik offen gehalten worden und deshalb sind jegliche Friedensbemühungen folgerichtig daran gescheitert. Eine Hauptstadt Jerusalem wird von keiner Seite gebraucht oder benötigt, es sei denn als Demonstration für den Sieg über die „andere Seite“. Eine solche mystisch motivierte politische Provokation passt nicht in eine Politik zur Konfliktlösung im 21. Jahrhundert. Sie sollte deshalb so schnell wie möglich durch Klarstellung beendet werden.
Auf einer solchen Basis lassen sich alle anderen Probleme leicht lösen wie z.B. jeweilige Selbstverwaltung von Ost- bzw. West-Jerusalem, gemischte Sicherheitskräfte zur Sicherheit der heiligen Stätten, wobei hier auch Christen mit berücksichtigt werden sollten, turnusmäßige Einsetzung eines gemeinsamen Bürgermeisters.
Was die Siedlungspolitik Israels anbelangt, so wäre hier nach internationalem Recht ebenso klarzustellen: Landgewinne zugunsten Israels darf es nicht geben. Auch hier handelt es sich um Blut-und-Boden-Ideologie, die mit modernem Rechtverständnis unvereinbar ist. Wenn einzelne Siedlungen akzeptiert werden, dann nur durch den Tausch siedlungsfähigen Landes anderswo in beiderseitigem Einverständnis. Bei der Landfrage darf nur die Lebenssituation der Menschen bei einer Lösung im Vordergrund stehen, nicht aber Machtpolitik, welche auf vergangenen Schlachten basiert.
Das Ganze, und dies sollte ebenfalls selbstverständlich sein, muss natürlich einmünden in einen international besiegelten Friedensvertrag mit den Kernpunkten Anerkennung eines selbstständigen Staates Palästina mit den Inhalten Land- und Gewaltverzicht bei Sicherung wechselseitigen Existenz- und Selbstbestimmungsrechts, das durch die internationale Gemeinschaft garantiert wird. Freiheit und Selbstbestimmung lässt sich nur beanspruchen unter der Bedingung, dass sie auch für den Nachbarn gilt. Alles andere kennzeichnet nur die Unfähigkeit zum Frieden. Genau an diesem Grundsatz müssen jetzt beide Seiten konsequent gemessen werden.
Hubert Niehoff