Der politischen Integrationsrhetorik zum Trotz bleiben
Migranten die großen Verlierer in unserem Schulsystem
Ein statistischer Vergleich der Hauptschulabschlussquoten
von 1993 im RWI-Gutachten mit den aktuellen Zahlen von 2001 aus den Amtlichen
Schuldaten NRW belegt, dass sich an der „bewährten“ Integrationspolitik in NRW
tatsächlich nichts geändert hat. Ein Durchbruch zu einer nachhaltigen
Verbesserung in immerhin fast zehn Jahren hat nicht stattgefunden. Waren es
1993 noch 17 % der nichtdeutschen SchülerInnen, die die Hauptschule ohne
Hauptschulabschluss verließen, so sind es 2001 15,4%, mit einer wieder ansteigenden
Tendenz seit 1999. Auch der Trend zur Überrepräsentation von Migranten in Sonderschulen
wegen ihrer Sprachdefizite ist ungebrochen. Dabei ist die Zahl der Migrantenjugendlichen,
die die Sonderschulen ohne irgendeinen Abschluss verlassen, in den letzten zwei
Jahren explosionsartig von 62% auf 71%. angestiegen.
Die unterschiedlichen Bildungswege der deutschen und der
nichtdeutschen SchülerInnen nach Klasse
4 sind ein unwiderlegbarer Beweis für die sozialen Exklusionseffekte, die unser
Bildungssystem in allen Bundesländern produziert. Nach der KMK-Statistik
von 2000 besuchen nur noch 17,9% der
deutschen SchülerInnen die Hauptschule in NRW, aber 40,1 % der Migranten. Bei
der größten Migrantengruppe in NRW, den türkischen Jugendlichen, sind es sogar
noch 41,3%. Deutsche SchülerInnen besuchen das Gymnasium zu 41,8 %, während es
bei den nichtdeutschen SchülerInnen nur 18% sind. Zur Sonderschule gehen 6,6%
der Migrantenkinder, bei den deutschen sind es nur die Hälfte.
Die Statistik entlarvt die bisherige Politik als bloße
Integrationsrhetorik. Auch zu Beginn des neuen Jahrtausends ist unser
Schulsystem weit davon entfernt, allen Kindern und Jugendlichen einen
Mindestabschluss zu sichern, wie das z. B. bei den erfolgreichen PISA-Ländern
der Fall ist.
Die SPD in NRW hat die Zeichen der Zeit immer noch nicht
verstanden. Statt mit Bildungsinvestitionen
in das Humankapital, wie man heute sagt, zu investieren und damit auch
langfristig volkswirtschaftliche Gewinne einzufahren, übernimmt sie lieber eine
Risikobürgschaft für ein unsinniges Industrieprojekt, dessen
Finanzierungskonzept schon jetzt eine Deckungslücke von 679 Millionen Euro
aufweist. Interessanterweise ist an der falschen politischen Entscheidung
wieder Herr Horstmann beteiligt, nur dieses Mal in der Funktion des
Verkehrsministers.
Brigitte Schumann