Rede von Tim Giesbert, Sprecher der Grünen Jugend,
zum 25. Jubiläum von Bündnis 90/Die Grünen Mülheim an der Ruhr
Liebe Gäste, liebe Freundinnen und Freunde,
vor etwa 25 Jahren ist hier in Mülheim die Saat
ausgebracht worden, die mit der Zeit ein saftiges Grün hervorbrachte.
Die Farbe Grün hat viele Bedeutungen, so steht sie
ganz an erster Stelle für Leben, für Vitalität, für Kraft und Erneuerung.
Gleich einem Keim der sich der Sonne zuneigt,
entdeckten auch wir die Sonne als Quell der Energie, unerschöpflich und all
gegenwärtig.
Die Anzahl der Menschen auf dieser Erde wächst, und
mit ihr der Verbrauch von Energie. Bisher deckten wir unseren Bedarf
vornehmlich mit fossilen Brennstoffen mit den bekannten zum teil katastrophalen
Folgen für uns und unserer Umwelt, wobei Umwelt eigentlich ein falscher Begriff
ist, denn es müsste Mitwelt heißen, denn sie umgibt uns nicht nur, wir können
nicht ohne sie, sondern immer nur mit ihr.
Es kann in diesem Punkt kein weiter so geben, da
fossile Brennstoffe endlich sind und nur noch für kurze Zeit zur Verfügung
stehen.
Was ist also die Alternative?
Von einem Herrn Stoiber hört man wieder: „Wir müssen
an der Atomenergie festhalten“.
Was bedeutet das?
Eine Energie die von uns nach wie vor nicht
vollständig kontrolliert werden kann, die Abfälle produziert die über
Jahrtausende hinweg für lebensvernichtende Strahlung sorgt und zudem ein
weiteres Sicherheitsrisiko für uns birgt, da noch lange nicht die Ursachen für
Terror und Gewalt behoben sind.
Das sind dunkle Perspektiven, genauer gesagt sehr schwarze.
Wir als Grüne waren es und sind es noch immer, die
die Weichenstellung vorgenommen haben und auch weiterhin gestalten um weg von
den herkömmlichen Rohstoffen, hin zu einer regenerativen Energieform zu finden.
Joschka Fischer ist gerade im Zuge seiner Asienreise
durch China gereist, ein Land mit starkem Wirtschaftswachstums. Doch tagsüber
liegen die Fabriken still, denn es herrscht akuter Energiemangel bedingt durch
schönes Wetter, den daraus resultierenden hohen Temperaturen und damit
einhergehend der Einsatz von zuviel energieverbrauchender Technik wie
beispielsweise Klimaanlagen. Der Einsatz von erneuerbaren Energie kommt zu
kurz.
Doch Joschka reist nicht allein, sondern mit
Vertretern deutscher Solarfirmen. Hier können Grüne wieder einmal die Welt
verändern.
Wenn die Nutzung der regenerativen Energien in China
Einzug hält, wird diese Energienutzung weiter die "Welt erobern".
Ein weiteres, zentrales Thema ist der Klimawandel der uns alle betrifft.
Wenn wir nicht lernen mit den vorhandenen Rohstoffen
umsichtig und vernünftig umzugehen treiben wir eine Erwärmung der Erde weiter
an.
Doch für diese Problematik braucht es ein
Bewusstsein, ein Gewissen. Wir als Grüne haben solche Themen erst in die
Gesellschaft mit hineingetragen, sie diskutiert, ihnen zur Öffentlichkeit
verholfen und wir werden dies auch in Zukunft tun.
Grüne also als Gewissen.
Nach Omas Farbenlehre ist Grün die Farbe der
Hoffnung.
Wir leben in einer Zeit in der es viele Probleme zu lösen
gilt, sei es die hohe Arbeitslosigkeit, gerade auch bei jungen Menschen,
das Nebeneinander-Her-Leben von Kulturen, die
Ignoranz untereinander und vielfach auch eine steigende Gewaltbereitschaft.
Die Wirtschaft schwächelt und immer mehr Menschen
suchen nach Orientierung und Halt. Doch alle Lösungsversuche laufen ins Leere,
wenn sie nicht von der Hoffnung getragen sind, dass wir es zum Besseren wenden
können. Und dies geht nur gemeinsam, miteinander, gleichberechtigt und mit
freiem Willen.
Nicht von oben aufgezwungen, sondern aus der Mitte
der Gesellschaft.
Erste Ansätze sind bereits an manchen Orten in Form
von bürgerschaftlichem Engagement in
Vereinen und Nachbarschaftshilfe geschehen. Ein demokratisches Miteinander, wo
jeder unaufgefordert das zum Gemeinwohl beiträgt was in seinen Kräften steht,
selbstverantwortlich, souverän, individuell, in völliger Gleichheit. In der
Gemeinschaft steckt ein riesen Potenzial welches es zu wecken gilt.
Wir sind Einwohner Mülheims, der Stadt am Fluss, oder
besser gesagt Stadt im Fluss denn es tut sich etwas …doch tut sich auch das
Richtige?
Es gibt viele Problemkomplexe vor denen wir stehen,
für die es viele Lösungsansätze gibt, aber es ist fraglich ob diese auch immer
die besten sind. Wir leben in einer, dank verbesserter Medizin, immer älter
werdenden Gesellschaft.
Wir alle möchten gesund und mit größtmöglichster
Sicherheit ein hohes Alter erreichen.
Doch wer sorgt für uns?
Wer garantiert, dass wir später nicht alleingelassen,
hilflos, von der Gesellschaft als Last empfunden, isoliert und vereinsamt sind?
Hierfür muss unsere Solidargemeinschaft sorge Tragen,
dass eben nicht eine derartige Entwicklung eintritt.
Wir dürfen nicht alles privatisieren und somit aus
der Hand geben, uns selbst damit jeglicher Kontrollmöglichkeiten berauben.
Wir müssen sicherstellen, dass wir alle einen
sicheren, unverrückbaren Platz in dieser Welt haben.
Wir brauchen den Austausch zwischen Alt und Jung, den
Brückenbau der Generationen, damit eben nicht solche Äußerungen, wie von einem
Herrn Missfelder aus den Reihen der CDU gemacht werden, der gewisse Operationen
ab einem bestimmten Alter als unnütz und unzulässig erklärt und die
Generationen gegeneinander ausspielt.
Die SPD erklärte neulich, sie habe nahezu vier
Jahrzehnte die Geschicke unserer Stadt gelenkt und wolle dies auch in den
nächsten Jahren tun.
Ich habe dies als Drohung empfunden, denn die
Beispiele Heimaterde und Styrumer Freibad, um nur zwei zu nennen, machen
deutlich, dass sie allein auf sich
gestellt zu einer bürgernahen und bürgergerechten Politik nicht im Stande
ist.
Es braucht dringend mehr Grün vor Ort.
Es existieren so manche Prädikate mit denen unsere
Stadt beschrieben wird, eines ist die Familienfreundliche Stadt.
Erst einmal nur ein Begriff den wir mit Leben füllen
müssen.
Was bedeutet familienfreundlich, und was ist eine
Familie?
Hier sind wichtige Grüne Überzeugungen gefragt die
uns bei der Beschreibung behilflich sein können. Familie ist da wo Kinder sind
das ist unstrittig, aber die Grundlage hierfür das eine Familie erst entstehen kann ist Liebe.
Familie ist also da wo Liebe ist. Familie ist also ein Ort, ein Bündnis eine
Lebensgemeinschaft ungeachtet des Geschlechts, der Religion, der Nationalität
die diese Menschen haben.
Die Lebensformen können ganz unterschiedlich sein und
ob eine Stadt offen ist für Vielfalt, Lebensfreude, für vielleicht ganz neue
Ideen und Modelle, zeigt ob sie wirklich familienfreundlich ist oder nicht.
Toleranz, Akzeptanz und Neugier sind Grundvorrausetzungen
für ein Klima, welches diese Stadt tragen kann.
Dazu haben wir als Grüne eine Menge beigetragen, aber
wir dürfen uns nicht darauf ausruhen denn
es gibt für das friedliche Zusammenleben noch einiges zu tun.
Darum müssen wir kämpfen und täglich den Dialog
führen. Mit unserer Familie unseren Freunden mit unseren Nachbarn und mit
Fremden, damit diese möglichst nicht immer Fremde bleiben.
Mülheim ist die Grüne Lunge des Ruhrgebiets.
Ihr Kapital sind die großen ausgedehnten Grünflächen
im Süden und die weitläufigen Ruhrauen mit ihrer Flora und Fauna.
Wir alle wissen, dass der Mensch vor Größenwahn und
Bauwut nicht gefeit ist, darum ist es umso wichtiger, dass es kritische Grüne
gibt, die darauf achten, dass unsere Ressourcen geschont werden und für
kommende Generationen auch weiterhin erhalten bleiben.
Mülheim
umgeben von vielen anderen großen
Städten in der Ruhrregion, ist wie ein Puzzle, zukünftig nur als Ganzes
vollständig und lebensfähig. Ein bisschen
Patchwork ist schon mit dabei und es gibt noch viel zu tun, um die Baustellen
fertig zu stellen und die Ruhrstadt zu verwirklichen. Auch hier ist der Grüne
Gedanke der Gemeinsamkeit derjenige, der Antrieb und Motor ist, um das zusammen
zu führen, was zusammen gehört.
Unsere Städte im Ruhrgebiet dürfen sich nicht länger
gegenseitig bekämpfen, sich nicht ständig blockieren und stetig in Konkurrenz
zueinander treten, sondern müssen sich ergänzen, sich gegenseitig befruchten
und zu einem verstärkten Miteinander finden, zum Wohle ihrer Bewohner.
Wir alle sitzen im gleichen Boot, doch wir Grüne
müssen und werden dafür sorgen das dieses nicht geschnitzt ist aus dem Holz der
Tropen, das aus dem Gewässer welches wir befahren, wir trinken können und nicht
ertrinken müssen. Das der Wind, der uns manchmal recht stürmisch ins Gesicht
weht, uns den Atem nicht raubt.
Wir werden Kurs halten aller Untiefen zum Trotz, für
ein grüneres Mülheim, für mehr Nachhaltigkeit.