Statement
Bündnis 90/Die Grünen zum Thema
RUHRPROMENADE
/ Bürgerbegehren
Für
die Sitzung des Rates der Stadt am 6.4.06
Verehrte
Kolleginnen und Kollegen,
Das,
was wir heute erleben, war absehbar und vorprogrammiert.
Die
Konfrontation zwischen den bedingungslosen BefürworterInnen und GegnerInnen des
geplanten Baus der Ruhrpromenade nach dem 1. Preisträgerentwurf war absehbar
und vorprogrammiert.
Wenn
Sie, Frau Mühlenfeld nach dem Ratsbeschluss vom 8. Juli 2004 sagen, ich zitiere
„Ich
möchte an dieser Stelle noch einmal bekunden, dass die Transparenz, die Bestandteil
des Verfahrens und des Prozesses bis zum jetzigen Zeitpunkt gewesen ist, ein
wesentlicher und integraler Bestandteil aus Sicht der Verwaltung ist. Aus Sicht
der Verwaltung wird zugesichert, dass diese Transparenz weiterhin obwaltet,
damit die Beschlussfassungen, die noch vor uns liegen, in der gleichen
Einmütigkeit getroffen werden können“.
So
haben Sie Ihre Worte offensichtlich beim Verlassen dieses Saales damals sofort
wieder vergessen.
Der
Entwicklungsprozess danach war alles andere als transparent. Sie wollten die
BürgerInnen und Bürger bei der Entwicklung mitnehmen, da Sie wussten, dass ansonsten
ein mehr als ernstzunehmender Widerstand in der Bevölkerung entstehen würde.
Insbesondere
die nächsten Kommunalwahlen im Jahre 2009 machten und machen Ihnen
offensichtlich Kopfzerbrechen – vor allem in Hinblick auf die vielen
Baustellen, die wir dann in unserer Stadt haben werden.
Statt
der angekündigten Transparenz trafen sich die Mehrheitsfraktionen unter Begleitung
der FDP-Fraktion im kleinen Kreis, um anstehende Entscheidungen vorzubereiten.
Netterweise durfte meine Fraktion zunächst auch noch informell an diesen
erlauchten Treffen teilnehmen –bis zu dem Zeitpunkt, als wir uns politisch anders
positionierten, als es vielen hier im Saal genehm war.
Dabei
war unsere Position bereits im Planungsausschuss des 6. Juli 2004 durch
unseren
Sprecher dort dargestellt worden –unsere Präferenz war der Entwurf des Prof.
Fürst und HPP – was auch die damalige Gegenstimme dokumentiert.
Zwei
Tage später in der folgenden Ratssitzung stellten wir den Antrag A04/0601-01,
in dem wir die weitere Planung nach dem 2. Preisträger auf den Weg bringen
wollten – dieser wurde leider in diesem Hause abgelehnt.
Deshalb
kann ich nur allen, die uns einen Eiertanz vorwerfen oder unser angebliches
Umkippen kritisieren nur deutlich sagen – wir sind und waren weit weg – auch,
wenn Ostern naht.
Wir
haben von Anfang klar und deutlich kommuniziert, dass wir an der Ruhrstr. sehr
wohl Stadtentwicklung wollen, aber eben nicht so brachial wie aktuell geplant.
Und natürlich unter Erhalt der Ostruhranlagen, was der 2. Preis auch zugelassen
hätte. Wir wollen also gerade nicht den Status Quo – also die Stadtautobahn
Ruhrstraße- sondern eine realistischere Planung, die auch nicht so viele Erschließungskosten
für unsere Stadt verursacht wie die Umsetzung Ihrer Planung!
Im
Wortprotokoll der Ratssitzung aus 2004 könne Sie bereits nachlesen, dass ich
dort bereits für uns als Abweichler, nicht als Verweigerer gesprochen habe!
Die
Bereitschaft aber, die beiden Entwürfe tatsächlich gegeneinander zu diskutieren
– auch und gerade unter Beteiligung der MülheimerInnen und Mülheimer ging Ihrerseits
gegen null – also dürfen Sie sich auch nicht wundern, wenn dann diese heutige
Situation eintritt.
Einige
aus diesem Hause, flankiert von Herrn Esser scheinen aber die Dimension
zumindest im Ansatz zu begreifen.
Wenn
der Rat heute mehrheitlich die juristische Frage vermeintlich klärt und das
Bürgerbegehren für unzulässig hält – so kann ich nur sagen:
Zwei
Juristen = mindestens vier Meinungen !
Daher
meinen wir, wir sollten die juristische Bewertung den Gerichten überlassen.
Aber
mit der heutigen Vorlage ist das Thema nicht vom Tisch – im Gegenteil.
Wenn
mehr als 10.000 MülheimerInnen und Mülheimer mit ihrer Unterschrift bereits
bekundet haben –und ich bin sicher, das Quorum für den Bürgerentscheid von 20 %
würde auch noch erreicht –dann können Sie, meine Damen und Herren von
SPD/CDU/FDP und Sie, Frau Mühlenfeld, die Augen nicht verschließen.
Diese
Menschen und vermutlich noch viel mehr haben Sie nicht mit im Boot für Ihre
Planung – definitiv nicht !
Da
hilft auch nicht, den Initiatoren Falschspiel vorzuwerfen.
Oder
gar die Mülheimer, die unterschrieben haben in die Nähe der Kriminalität zu rücken,
weil ja die angebliche Unzulässigkeit feststeht.
Denken
und planen Sie um, beteiligen Sie die BürgerInnen und Bürger unserer Stadt – nehmen
Sie die Anregungen – auch unsere in Richtung des 2. Preises- auf, damit das
planerisch so wichtige Entwicklungsthema Ruhrstraße nicht komplett scheitert.
Argumentieren
Sie nicht weiter mit fadenscheinigen Begründungen nach dem „wir haben aber
Recht“ – Prinzip – Sie haben es offensichtlich nicht!