Ruhrpromenade

 

Grüne Positionsbestimmung aus verkehrspolitischer Sicht

 

Die Diskussion um das Ruhrbania-Projekt Ruhrpromenade in der westlichen Innenstadt ist geprägt durch die Sperrung der Ruhrstraße und die daraus für den Autoverkehr resultierenden Veränderungen. Aus grüner Sicht darf jedoch nicht nur einseitig der Individualverkehr betrachtet werden, sondern es müssen die Vor- und Nachteile für alle Verkehrsmittel bewertet werden.

 

I.                     Stichworte zum Aspekt Ruhrpromenade und Verkehr

-         Sperrung der Ruhrstraße und Führung des Durchgangsverkehrs über Konrad-Adenauer-Brücke und Bergstraße

-         Ausbau des Tourainer Rings zu einem Alleenring

-         Niederlegung der Brücken und Rampen im Kreuzungsbereich Friedrich-Ebert-Straße/Aktienstraße/Tourainer Ring/Konrad-Adenauer-Brücke und Neuordnung der Verkehrsströme

-         ÖPNV-Trasse zwischen Stadtmitte und Hauptbahnhof

-         Aufhebung der Kaufhofumfahrung für den ÖPNV und Errichtung eines zentralen Verknüpfungspunktes in der Friedrich-Ebert-Straße (vor dem Kaufhof) und Öffnung der westlichen Leineweberstraße für den Individualverkehr Richtung Schlossbrücke

-         Umnutzung der Rheinischen Bahn (Güterstrecke)

 

Ein Teil dieser Maßnahmen ist bereits auf grüne Initiative hin Ende der 90er Jahre unter Schwarz-Grün beschlossen worden und wartet seit dem auf die Umsetzung. Das Planfeststellungsverfahren für die ÖPNV-Maßnahmen Aufhebung Kaufhofumfahrung und zentrale Umsteigehaltestelle ist eingeleitet, die Finanzierung (Landesmittel) allerdings noch nicht gesichert.

 

II.                   Vor- und Nachteile für den Individualverkehr

 

Für den Individualverkehr ergibt sich mit dem leistungsfähigen Alleenring und dem Abriss der Brücken und Rampen eine übersichtlichere Verkehrsführung im Innenstadtbereich. Davon profitiert vor allem der Durchgangsverkehr. Die Sperrung der Ruhrstraße bedeutet bei Fahrten zwischen Styrum und Stadtmitte sowie zwischen Menden und nördlicher Innenstadt einen Umweg von ca. 1.100 m über Bergstraße und Konrad-Adenauer-Brücke. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h verlängert sich die Fahrzeit damit um 1,32 Minuten. Dies dürfte objektiv betrachtet keinen Autofahrer schrecken! Die Reaktionen im Zusammenhang mit der Sperrung der Ruhrstraße für die Aktionswoche „Ab in die Mitte“ 2003 zeigten jedoch die Sensibilität von AutofahrerInnen bei Umwegfahrten.

Die westliche Innenstadt mit ihren Parkhäusern und Tiefgaragen (Kaufhof, Sparkasse, Rathausmarkt) bleiben direkt erreichbar, über die Leineweberstraße und den Alleenring sind auch die Parkplätze am Forum und unter der Schlossstrasse noch problemlos zu erreichen. Als Zufahrt möchte die Verwaltung nicht nur die Friedrich-Ebert-Straße zwischen Bahnstraße und Tourainer Ring für den Gegenverkehr öffnen, sondern den Bereich bis Schollenstraße. Damit ist eine Anlieferung der Geschäfte mit LKWs gesichert, aber im Bereich des Rathauses keine eigenständige ÖPNV-Trasse mehr möglich. Um Durchgangsverkehr zu verhindern bedarf es einer Verkehrsberuhigung mit maximal Tempo 30.

Mit der Öffnung der westlichen Leineweber Straße Richtung Schlossbrücke gibt es für Fahrten von der Innenstadt Richtung Broich und Speldorf deutliche Verbesserungen. Veränderungen auf der Leineweber Straße zwischen Stadtmitte und Kaiserplatz (zweite Fahrspur oder Verkehr in Gegenrichtung) sind nicht vorgesehen und unnötig.

Im Ergebnis ergeben sich damit für den Individualverkehr deutlich mehr Vor- als Nachteile.

 

III.                  Vor- und Nachteile für den ÖPNV und SPNV

 

Für den ÖPNV bringt die Planung überwiegend Vorteile. Die zentrale Umsteigehaltestelle vor dem Kaufhof verkürzt die Umsteigewege zwischen Straßenbahn (heute Leineweber Straße und Tunnel) und Bus (heute teilweise Schollenstraße). Sie ist allerdings mit maximal 73 m zu kurz, um mehr als zwei Bahnen und einen Bus aufzunehmen. Mit der Aufhebung der Kaufhofumfahrung und einer ÖPNV-Trasse zwischen Stadtmitte und Hauptbahnhof (mit neuem oberirdischen Busbahnhof) wird der ÖPNV beschleunigt. Das Gleiche gilt bei einer Umgestaltung des Kreuzungsbereiches Friedrich-Ebert-Straße/Aktienstraße/Tourainer Ring/Konrad-Adenauer-Brücke. Dort müssen im Zusammenhang mit dem geplanten Bau eines Mittelbahnsteiges zum verbesserten Umstieg zwischen Styrum (Linien 110/112) und Winkhausen (Linie 104) sowieso bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Kritisch ist der geplante Standort der neuen Straßenbahnhaltestelle Rathausmarkt nördlich der Rheinischen Bahn im Bereich der AOK zu sehen.

Ein Teil dieser Maßnahmen ist auch unabhängig von der Ruhrpromenade umsetzbar, nicht jedoch ohne Veränderungen für den Individualverkehr. Nach den ursprünglichen Plänen würde dieser im Zweirichtungsverkehr über die Ruhrstraße geführt und damit deren Barrierewirkung noch verstärken! In sofern ist das Verkehrskonzept von Ruhrbania als Weiterentwicklung des bisher unter Schwarz-Grün beschlossenen Konzeptes zu sehen. Die gemeinsame Trasse von ÖPNV (40 Busse und Bahnen je Richtung in der Hauptverkehrszeit) und Individualverkehr am Rathaus funktioniert jedoch nur mit dem seit vielen Jahren geplanten und bisher nicht finanzierbaren Rechnergesteuerten Betriebsleitsystem (RBL), das Bussen und Bahnen an den Ampeln vor dem Autoverkehr Vorrang gibt. Wann die notwendigen Fördermittel des Landes fließen ist offen.

Mit der Rheinischen Bahn bietet sich die Chance, die westliche Innenstadt auch mit dem SPNV zu erschließen. Eine Regionalbahn im 30-Minuten-Takt auf der Verbindung (Düsseldorf -) Ratingen – Speldorf – Stadtmitte - HBF – Heißen – Essen-Universität – Essen-Kray-Nord - Gelsenkirchen wäre sogar noch bei teilweise eingleisiger Streckenführung möglich (vergleiche Punkt Radverkehr). Im Bereich der Bahnhöfe sollten allerdings zur Verhinderung von Verspätungen zwei Gleise erhalten bleiben.

 

IV.               Vor- und Nachteile für FußgängerInnen

 

Für die FußgängerInnen ergeben sich ebenfalls Veränderungen. Sie erhalten an der Ruhr eine Promenade bis zur Friedrich-Wilhelms-Hütte und später weiter bis Styrum. Ferner wird durch eine Verkehrsberuhigung von Friedrich-Ebert-Straße und Bahnstraße die Aufenthaltsqualität in diesem Bereich erhöht. Mit dem Wegfall von Ampeln (Ruhrstraße) wird auch der Fußweg zwischen Stadtmitte und westlicher Ruhrseite mit Stadthalle und Müga-Gelände deutlich beschleunigt. Gleiches gilt im Bereich der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße/Aktienstraße/Tourainer Ring/Konrad-Adenauer-Brücke, die heute zu großen Umwegen zwingt und keinerlei Aufenthaltsqualität bietet.

Der Kaufhof selber bietet genug Platz für eine ebenerdige schräge Passage Richtung Ruhr. Die Lagerverkäufe im Untergeschoss und in der 2. Etage zeigen, dass dabei entfallende Verkaufsfläche im Erdgeschoss problemlos ausgeglichen werden kann.

 

V.                 Vor- und Nachteile für den Radverkehr

 

Auch für den Radverkehr bringt die Ruhrpromenade Vorteile. Die Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße/Aktienstraße/Tourainer Ring/Konrad-Adenauer-Brücke mit ihren Brücken und Rampen zwingt heute zu großen Umwegen und verleitet zur verbotenen Nutzung der Fahrbahnen. Zukünftig wird es zwischen Styrum und Innenstadt eine direkte und sicherere Führung des Radverkehrs geben können.

Mit der Güterstrecke der Rheinischen Bahn besteht die Möglichkeit, eine fast kreuzungsfreie Radtrasse zwischen Heißen und Speldorf zu schaffen. Diese kann an bestehende Strecken an der Stadtgrenze Duisburg und Essen (KVR-Weg über Rüttenscheid nach Steele) anschließen und damit auch neue Wege für das Radverkehrsnetz NRW bieten. Während die Radtrasse zwischen Heißen (Frohnhauser Weg) und Winkhausen (Brücke Talweg) parallel zu den beiden vorhanden Gleisen geführt werden kann, müsste im weiteren Verlauf bis zum ehemaligen Bahnhof Broich ein Gleis geopfert werden. Im weiteren Verlauf über Speldorf nach Duisburg gibt es bereits parallel zur Bahnstrecke einen kombinierten Fuß-/Radweg oberhalb der Böschung. Im Bereich Hauptbahnhof und Ruhrstraße/-promenade sind Rampen vorzusehen.

Der entlang der Bahnbögen verlaufende Radweg zwischen Hauptbahnhof und Rathaus muss jedoch ergänzend dazu erhalten bleiben. Die bisher schwach frequentierte Fahrradwache am Kaufhof sollte in Absprache mit dem Betreiber PIA e. V. einen neuen Standort an der zukünftigen Ruhrpromenade erhalten.

 

VI.               Fazit

 

Im Ergebnis ergeben sich mit dem Projekt Ruhrpromenade sowohl Verbesserungen für den Umweltverbund und als auch für den Individualverkehr und dies nicht nur für die Innenstadt, sondern auch für die Ost-West-Verbindungen innerhalb Mülheims. Eine Beschränkung auf den Aspekt Sperrung Ruhrstraße wäre viel zu einseitig und geradezu fahrlässig. Einige Maßnahmen lassen sich zwar auch unabhängig von diesem Ruhrbania-Projekt umsetzen, jedoch ist die Finanzierung durch den Verkauf städtischer Flächen wesentlich einfacher.

Aus verkehrspolitischer Sicht ist das Projekt somit für Bündnis 90/Die Grünen nur zu begrüßen.

 

Axel Hercher, 21. März 2005