Alt
wollen wir alle werden – aber nicht krank und pflegebedürftig. Das Risiko, dass
wir mit zunehmendem Alter auf Hilfe angewiesen sein werden, ist jedoch erheblich.
Ältere
und pflegebedürftige Menschen wollen möglichst lange selbständig in ihrer
eigenen Wohnung leben. Falls das nun gar nicht mehr geht, wird häufig der
Wunsch nach alternativen Wohnformen - statt eines Einzugs in ein Altenheim -
geäußert.
In
den vergangenen Jahren sind einige neue Wohnformen, auch für pflegebedürftige
Menschen, entstanden. Angebote des selbständigen Wohnens mit bedarfsgerechten
Hilfen wurden entwickelt: Integriertes Wohnen, Mehrgenerationenwohnen,
gemeinschaftliches Wohnen (wie selbst organisierte oder betreute
Wohngemeinschaften) oder Pflegewohnungen im Quartier.
Inzwischen gibt es auch in
Mülheim Seniorenwohngemeinschaften für pflegebedürftige und demenzkranke
Menschen.
Trotz
einer Vielzahl von Einzelprojekten ist die Gesamtzahl der Angebote nach wie vor
viel zu gering. Die Weiterentwicklung dieser Wohnformen zu einem
„Normalangebot“ scheiterte bisher an den strukturellen Voraussetzungen. Die
Schaffung eines solchen Angebotes ist immer noch vom hartnäckigen Engagement
einzelner Menschen oder einzelner Träger abhängig.
Auch
aufgrund des demographischen und gesellschaftlichen Wandels wird es immer
wichtiger, neue Anforderungen an die Stadtplanung und Stadtentwicklung zu
stellen.
Die
Wohn- und Siedlungsstrukturen müssen in Zukunft so gestaltet werden, dass sie
auf die Bedürfnisse jeder Lebensphase ausgerichtet sind. Die Integration aller
Bevölkerungsgruppen muss dabei optimal gefördert werden. Kooperationen zwischen
Kommunen, Wohnungswirtschaft, sozialen Trägern, Betroffenen-Initiativen und
anderen Gruppen sollen gefördert werden, um so dezentrale Wohn- und
Pflegeangebote zu schaffen.
Ein
weiterer wichtiger Aspekt für die Wohninfrastruktur und für die entsprechenden
Rahmenbedingungen liegt in der Weiterentwicklung der ambulanten Pflege- und
Hilfestrukturen.
Auch
die Herausbildung neuer Zielgruppen, wie beispielsweise älter werdende und
pflegebedürftige Migrantinnen und Migranten
stellen neue Anforderungen an die Gesellschaft.
Zur
Sicherstellung einer bedarfsgerechten ambulanten Versorgung bei zunehmendem
Hilfebedarf müssen die bestehenden Angebote weiterentwickelt werden. Hierbei
gilt es auch zu berücksichtigen, dass zukünftig der Anteil der älteren
Menschen, der alleine lebt und ohne Angehörige ist, weiter steigen wird. Es müssen
Hilfe- und Unterstützungsangebote so gefördert werden, dass unabhängig von dem
Vorhandensein pflegender Angehöriger eine Pflege und Begleitung in der eigenen
Häuslichkeit möglich wird. Dies wird Änderungen sowohl bei den gesetzlichen
Rahmenbedingungen als auch bei der pflegerischen und sozialen Arbeit
erforderlich machen. Dabei sind Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik gefordert.
Bündnis 90 / Die Grünen setzen
sich auf allen Politikebenen dafür ein.
Ingrid
Tews