An die
FDP Fraktion im Rat der
Stadt Mülheim an der Ruhr
Sehr geehrter Herr Beitz, sehr geehrter Herr Blumberg,
besten Dank für die Übersendung ihres Offenen Briefes „Kommunale Sportpolitik in Zeiten begrenzter Mittel – eine unlösbare Aufgabe?“. Bei allem Verständnis für Ihre nachvollziehbare Sorge um die Finanzen der Stadt Mülheim an der Ruhr halten wir aber den in Ihrem Schreiben skizzierten Weg, die kommunale Sportförderung stark zu beschneiden oder gar einzustellen, für grundsätzlich falsch.
Breitensport ist unserer Meinung nach eben nicht ausschließlich Privatsache, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Sportvereine unserer Stadt erbringen im Rahmen unerklärter Subsidiarität eine nicht zu unterschätzende Leistung für unsere Gesellschaft. Sei es der Aspekt gesundheitlicher Prävention, sei es die vorbildliche Sozial– und Jugendarbeit der Vereine, seien es ihre Leistungen im Bereich der Inklusion von MigrantInnen und Behinderten – die Sportvereine übernehmen damit wichtige gesellschaftliche Aufgaben. Täten sie dies nicht, wären die gesellschaftlichen Folgekosten durch Krankheiten, Verwahrlosung, Jugendkriminalität etc. um ein Vielfaches höher als die jetzige Sportförderung. Sie stellt sicherlich eine gute und nachhaltige Verwendung von Steuergeldern dar.
Dass Vereine nur selten in der Lage sind, Sportstätten eigenhändig zu errichten, liegt auf der Hand. Demzufolge war, ist und bleibt es Aufgabe der öffentlichen Hand, sie ihnen zur Verfügung zu stellen. Dass wegen unterschiedlicher finanzieller Möglichkeiten etwa Schwimm– oder Fußballvereine eher bedacht werden als ein Golfclub mit vermögender Mitgliedschaft ist nachvollziehbar. Sport im Verein darf nicht nur für Reiche finanzierbar sein.
Wir nehmen zur Kenntnis, dass Ihr Papier eine Reaktion auf die Auseinandersetzungen unter den betroffenen Fußballvereinen rund um das Perspektivkonzept Fußball darstellt. Selbstverständlich – das räumen wir ein – stehen dabei häufig Einzelinteressen im Vordergrund. Das, Herr Beitz und Herr Blumberg, ist aber nur allzu menschlich und auch uns Parteien sicherlich nicht fremd. Wir erleben diese Konkurrenzsituation nicht nur im Sport, sondern tagtäglich ebenso im Kulturbereich, unter den Sozialverbänden, bei den Tarifpartnern usw.
Aufgabe der Parteien ist es, angesichts dieser divergierenden Interessen den Blick auf das Ganze zu richten. Uns obliegt die Aufgabe, das Gemeinwohl zu definieren und daraus Entscheidungen abzuleiten. Das ist – zugegeben – nicht immer einfach, weil es je nach Entscheidung sicher Kritik von der zu kurz gekommenen Interessengruppe hagelt, doch werden und müssen wir uns dem stellen. Dabei – das sollte unumstritten sein – gilt es für EntscheiderInnen, unangreifbar objektiv zu sein und sich nicht von Vereinsvorlieben beeinflussen zu lassen. Im Zweifel heißt es, sich eher einmal zu viel als zu wenig für befangen zu erklären.
Auch wenn wir Ihren Vorstoß, sehr geehrte Herren, als nicht zielführend bewerten, sind wir natürlich gerne zu weiteren Gesprächen bereit.
Mit freundlichen Grüßen
Tim Giesbert, Fraktionssprecher
Klaus Kuczera, sportpolitischer Sprecher