Mülheim an der Ruhr, 16. Januar 2012

„Wir habe es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie“

Die Erweiterung des Schweinemastbetriebes in Menden sorgt weiter für Gesprächsstoff. Die Grünen teilen die Kritik an überdimensionierter Tierhaltung – insbesondere mitten im Stadtgebiet – mit „all ihren negativen Folgen für Menschen, Nahrungsqualität, Tier–, Natur– und Landschaftsschutz.“

Problematische Nutztierhaltung, darauf weisen sie hin, sei aber nicht nur Thema in Mülheim. Unter dem Motto „Wir haben es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ findet am kommenden Samstag, den 21. Januar in Berlin eine zentrale Demo statt. Zu Wort kommen unter anderem die Bundesvorsitzenden des BUND, des Tierschutzbundes und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. „Wir Grüne“, sagt die stellvertretende Fraktionssprecherin Annette Lostermann–De Nil, „rufen alle Betroffenen und Interessierten zur Teilnahme auf.“

Dass das Motto doppeldeutig sei und viele Aspekte beinhalte, werde mehr noch aus dem Titel deutlich, unter dem die grüne Bundestagsfraktion am gleichen Tag zur Fachkonferenz einlädt: „Billig–Schnitzel kommen teuer! Verantwortungsbewusster Konsum statt Massentierhaltung“.

Auch diese Aspekte gehörten in eine Gesamtbetrachtung: Art und Umfang der heutigen Fleischproduktion hätten, so die Ratsfrau, weitreichende globale Folgen, die beim Anblick eines saftigen Schnitzels oder beim Biss ins Wurstbrot gerne vergessen würden. So trage die konventionelle Art der Tierhaltung ganz entscheidend zum Klimawandel bei. Weltklimarat und Welternährungsorganisation gingen davon aus, dass sie für 18 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich sei.

Die industrielle Tierhaltung, stellt Lostermann–De Nil klar, sei das Gegenteil von artgerechter Haltung. Sie sei mit großem Tierleid und hohem Einsatz von Antibiotika verbunden. Die Menschen, die dort arbeiten oder im Umfeld leben, müssten gesundheitliche Risiken und die Minderung ihrer Lebensqualität verkraften.

Eine Voraussetzung für Billigschnitzel in hiesigen Läden sei der massenhafte Import von Futtermitteln wie Soja. Deutschland nutze dafür gut 2,5 Millionen Hektar Landfläche außerhalb Europas, vor allem in Südamerika. Ein Großteil davon liege in Ländern, die die Flächen zur Ernährung der eigenen Bevölkerung dringend benötigen. Gleichzeitig, so die Ratsfrau, gefährdet der Sojaanbau die grüne Lunge der Erde – das Amazonasgebiet. Die Rodung der dortigen Regenwälder zerstöre die Artenvielfalt und führe zu weiteren CO2–Emissionen. Gensoja und der damit verbundene massive Einsatz des Pestizids Roundup bedrohten die Biodiversität und die Gesundheit der Menschen vor Ort.

Lostermann-De Nil: „Hunger in der Welt, Klimawandel, Artensterben und Tierleid erfordern zwingend ein Umsteuern bei Massentierhaltung und übermäßigem Fleischkonsum. Klasse statt Masse muss auch hier zum Prinzip werden.“

Wie diese Wende zu erreichen ist, wollen die Grünen in der Fachkonferenz in Berlin mit Fachleuten diskutieren.

Annette Lostermann–De Nil